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Zurück ans Licht

Wiener Platz

von Eva Rusch

Illustrationen: Eva Rusch

Fotos: Yamato Hasumi

Architekturentwürfe und Pläne: stefan schmitz bda architekten und stadtplaner

Wiener Platz in Köln Mülheim, Ilustration unter Berücksichtigung der Entwürfe von stefan schmitz bda architekten und stadtplaner
Wiener Platz in Köln Mülheim, Ilustration unter Berücksichtigung der Entwürfe von stefan schmitz bda architekten und stadtplaner

Der zentrale Ort Mülheims, Verkehrsknotenpunkt im Rechtsrheinischen, Sitz des Bezirksrathauses, Ausgangs- und Endpunkt der Mülheimer Brücke, Ausgangspunkt zur Buchheimer Straße und Frankfurter Straße.

 

Erst seit 1938 – nach der „Annektierung“ Österreichs durch das nationalsozialistische Regime – heißt er Wiener Platz. Vorher hieß der einst ovale Platz „Oskarplatz“ und beherbergte als Teil der Promenade des Bergischen Rings Denkmäler, Grünflächen und ein Kiosk. Das Denkmal für den Kurfürsten Jan Wellem steht heute im Stadtgarten und der in die Ecke gedrängte Schifffahrtsbrunnen hatte damals einen prächtigen Unterbau mit Wasser. In den 1990er Jahren wurde der Wiener Platz neu beplant und bebaut. „Ein unfertiger Platz“, wie der Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs, Stefan Schmitz, berichtet. Denn er hatte zwei Türme am Ende des Platzes konzipiert. Nach diversen Anläufen wäre er heute auch mit einer viergeschossigen sogenannten „kleinen Lösung“ einverstanden. 

 

Da Baugrund ein knappes Gut ist, stehen die Chancen im wachsenden Mülheim gut, dass sich ein Interessent findet. Eine Konzeptvergabe für das im städtischen Besitz befindliche Grundstück wäre wünschenswert. Wir meinen: Eine Mischung von gewinnbringenden Mietern und sozialen und kulturellen Nutzungen wäre ideal.   Wir fragen Sie: Was soll in die Türme rein? Auf der folgenden Doppelseite möchten wir Sie dazu animieren, Ihre Ideen zur Platzgestaltung zu entwickeln. Was würden Sie dort gerne veranstalten? Wie könnte man den Platz beleben und ihn so für alle Mülheimer*innen attraktiv machen. 

 

Gesprächsskizzen mit Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs und dem Architekten des Wiener Platzes, Stefan Schmitz, runden diesen Beitrag ab.


Ihre Ideen sind gefragt! Leben auf dem Wiener Platz
Ihre Ideen sind gefragt! Leben auf dem Wiener Platz

Ihre Ideen sind gefragt!

#lebenaufdemwienerplatz

Liebe Leser*innen, 

 

wir möchten Sie dazu anregen, Ihre Ideen zu einer Belebung des Wiener Platzes niederzuschreiben, aufzumalen, zu fotografieren oder zu skizzieren. Was auch immer, wie auch immer: Nehmen Sie sich diese Doppelseite als Grundlage für Ihre Ideen und Wünsche! Teilen Sie uns Ihre Gedanken und Vorschläge mit. Wir nehmen Ihre Anregungen gerne entgegen und veröffentlichen diese mit Ihrem Einverständnis. In den Sozialen Medien nutzen Sie bitte #lebenaufdemwienerplatz für Ihre Statemants.

 

Wir sehen diese Aktion als Anfang weiterer Bemühungen, den Wiener Platz zurück in die Mitte der Stadtgesellschaft zu holen, indem wir versuchen, öffentliches Interesse für eine Belebung des heute noch unwirtlichen Wiener Platzes zu schaffen.

 

Wir planen einen Werkstattabend, um Ihre eingereichten Ideen und Vorschläge zu diskutieren und zu vertiefen. Dazu laden wir Sie jetzt schon herzlich ein.

 

Ihre Mülheimia Quarterly Redaktion

 


Fragebogen

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.


„Der Wiener Platz ist ein großstädtischer Platz mit den  typischen Problemen.“

 

Norbert Fuchs

 

Mit Norbert Fuchs, Bezirksbürgermeister, unterhielten wir uns über Sicherheitsaspekte, Planungsgeschichte und Zukunft des Wiener Platzes. Wenige Tage zuvor kam auf dem Wiener Platz bei einer wahnhaften Messerstecherei ein junger Mann ums Leben.

 

Herr Fuchs, der tödliche Vorfall stimmt besorgniserregend. Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund die Sicherheitssituation auf dem Wiener Platz ein?

Ich bin zutiefst betrübt über den Vorfall und habe eine berührende Gedenkveranstaltung der Afrikanischen Community spontan miterleben können. Jedoch muss ich feststellen: Die Messerstecherei war in erster Linie ein privater Streit zwischen bestimmten Personen. Er hätte auch auf jedem anderen Kölner Platz stattfinden können. 

 

Welche Dienste sind für den Wiener Platz zuständig und was leistet der „Runde Tisch Wiener Platz“ für die Sicherheit?

Wir haben verschiedenste Kräfte und Ordnungsdienste auf dem Wiener Platz. 

Die Polizei streift Wiener Platz und Stadtgarten von 7 Uhr früh bis nachts.

Auch Zivilpolizei ist unterwegs. Das Ordnungsamt der Stadt Köln ist auf dem Wiener Platz zugegen. Ebenso haben wir den Ordnungsdienst der KVB im U-Bahn Bereich. Die „Galerie Wiener Platz“ hat ebenfalls einen Ordnungsdienst. Seit Mitte 2018 haben wir Streetworker unterwegs, die sich um Jugendliche kümmern, insbesondere jugendliche Bulgaren.

 

Der „Runde Tisch Wiener Platz“ trifft sich regelmäßig. Zu diesem eher „verwaltungsinternen“ Expertenkreis gehören auch das Bürgeramt und das Brückenamt. Es kommen Vertreter der IG Buchheimer, IG Frankfurter Straße; Bürgervertreter und der Kirche hinzu. Meine Rolle ist es, anzustoßen und zu moderieren. Es geht hier auch um Fragen der Zuständigkeit der Dienste.

 

Welche weiteren Maßnahmen werden zur Sicherheit auf dem Wiener Platz ergriffen?

Die Polizei wird noch dieses Jahr, spätestens Anfang nächsten Jahres eine Videoüberwachung einführen. Wir haben zudem bauliche Maßnahmen ergriffen, um an bestimmten Stellen Aufenthalte unmöglich zu machen. Zudem wird der Zugang von der Buchheimer Straße leichter zu reinigen sein. Die Rolltreppe wird nun definitiv instandgesetzt. Dafür habe ich mich nachdrücklich eingesetzt. Die Kosten belaufen sich auf circa 300.000 Euro. Ein Teil der Kosten wird durch Fördermittel des Landes finanziert. Für die Lücke von 140.000 Euro muss die Stadt Köln aufkommen. Da die Rampe an der Rolltreppe nach heutigen Standards nicht barrierefrei ist, wäre die Einrichtung der Barrierefreiheit um ein vielfaches teurer gekommen als die Instandsetzung der Rolltreppe. 

 

Was halten Sie von einem Alkoholverbot auf dem Wiener Platz?

Ich stelle seit Jahren die Forderung nach einem Alkoholverbot, auch die Polizei befürwortet das seit Jahren. Das Durchsetzen eines solchen Verbotes ist eine rechtliche Frage. Die Stadt Duisburg unterlag jüngst in einer Klage gegen das Verbot und musste es wieder aufheben. Durch ein Alkoholverbot haben die Ordnungsdienste eine Handhabe, Platzverweise auszusprechen. Es gibt sicherlich ein Drogenproblem auf dem Wiener Platz: Der Alkohol wird schon morgens „beikonsumiert“. Die meisten Übergriffe oder Vorfälle stehen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Ein Drogenmobil ist meiner Ansicht nach nicht nötig. Es gibt eine, dem Gesundheitsamt und dem SKM Köln bekannte „Mülheimer Szene“ am Wiener Platz. 

 

Es gibt häufiger Kritik an der Gestaltung des Wiener Platzes. Wie stehen Sie dazu?

Die Platzgestaltung ist rückblickend nicht gelungen. Dies liegt meiner Ansicht nach an der Grundkonzeption der damaligen Ausschreibung. Diese folgte in  den 1990er Jahren förderrechtlichen Vorgaben. Eine Finanzierung durch den Bund als Knotenpunkt für Stadtbahn, S-Bahn und Regionalzüge am Bahnhof Mülheim unter Einschluss des Wiener Platzes war nur so möglich – nämlich mit Tunnelgeschoss und einer halben Ebene darüber. Die Bahn und den Verkehr komplett unter die Erde zu verlegen, wäre besser gewesen. Wenn wir jetzt hören, dass in Rheinnähe ein Braunkohlenflöz gefunden wurde, dann stellt sich die Frage allein deshalb heute nicht mehr.

 

Der Wiener Platz ist nicht vollendet. Der ursprüngliche Entwurf, der den Wettbewerb gewonnen hatte, sah zwei Türme bzw. ein Torhaus vor. Wie sehen Sie die Chancen dafür?

Es gab verschiedenste Anläufe, diese Bauten zu realisieren. Das Brückenamt der Stadt Köln ist Eigentümer des betroffenen Grundstückes. Die beiden Fundamente von je 10 x 10 Metern sind erschlossen und könnten kurzfristig mit einer Stahlkonstruktion bebaut werden. Wenn sich ein Investor fände, wäre das sicherlich ein Gewinn für den Platz.

 

Das Bierzelt auf dem Wiener Platz ist ein Provisorium, das sich schon allzu lange hält. Mit MÜLHEIM 2020 wurde von der Stadt Köln ein Entwurf für einen festen Bau in Auftrag gegeben. Wie steht es damit?

Der vorgelegte Entwurf von stefan schmitz bda architekten und stadtplaner benötigt einen Investor, der für den Bau 500.000 bis 750.000 Euro in die Hand nehmen müsste. Daneben bleibt die Frage nach der Nutzung. Wer geht da rein als Pächter?

 

Was geben Sie uns für ein Resümée?

Der Wiener Platz ist ein großstädtischer Platz mit all seinen Problemen. Er ist Verkehrsknotenpunkt im Bezirk bzw. im Rechtsrheinischen. Die Anforderungen an den Platz werden durch die neu entstehenden Stadtviertel wachsen.

 

Ein Schlüssel für mich ist die Belebung des Platzes durch verschiedenste Aktivitäten. Einige Beispiele sind „der Markt der Möglichkeiten“, das Fest „Mülheim Live!“, Weiberfastnacht oder der „Mülheimer Tag“. Dreimal in der Woche findet ein Markt statt, der sehr gut von den Mülheimern aber auch von „Auswärtigen“ angenommen wird. All diese Aktivitäten bringen „soziale Kontrolle“. Und das sollte noch mehr werden.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

„Es ist wichtig, dass die Türme gebaut werden. Das belebt den Platz und gibt ihm die entscheidende abschließende Form.“

Stefan Schmitz

 

Stefan Schmitz, Architekt und Stadtplaner, hat in den 1990er Jahren mit seinem Büro den städtebaulichen Wettbewerb zur Bebauung des Wiener Platzes gewonnen. Wir unterhielten uns über seine Planungen und Möglichkeiten, den Wiener Platz weiterhin zu gestalten.

 

Herr Schmitz, Sie haben im Rahmen des Strukturförderprogramms MÜLHEIM 2020 einen Entwurf für einen festen Pavillon auf dem Wiener Platz vorgelegt. Bitte erläutern Sie uns den Entwurf.

Der Pavillon ist Teil der Platzgestaltung und antwortet mit seiner runden Form auf die bisherige Gestaltung. Als Gastropavillon haben wir eine Zubereitungsküche eingeplant. Zusätzlich ist ein Kiosk möglich. Es ist immer eine Frage des Betreibers, was mit einem Bau geschieht. Eine kulturelle Nutzung ist eine gute Idee von Ihnen, die ich gerne befürworte. Als reiner Ausstellungspavillon ist er eher nicht geeignet, aber als Kulturcafé sicherlich. Das jetzige Zelt ist ein Provisorium. Als „Fliegender Bau“ ist er eigentlich nur maximal zwei bis drei Jahre zulässig. 

 

Wir brauchen mehr Grün, gerade auch auf öffentlichen Plätzen. Wie könnte das für den Pavillon aussehen?

Eine Grünfläche vor dem Pavillon, wie Sie sie skizziert haben, ist eine gute Idee. Als Böschung angelegt, um das Gefälle des Platzes auszugleichen, wäre sie eine schöne Möglichkeit, eine Bepflanzung auf dem Platz hinzubekommen. In Remscheid entwickeln wir zu Zeit ein ähnliches Projekt. Eine extensive Dachbegrünung des Pavillons ist selbstverständlich auch möglich, darf nur nicht zu schwer werden.  

 

In Ihrer ursprünglichen Planung zum Wiener Platz sind zwei Türme vorgesehen, die bislang nicht realisiert worden sind. 

Woran lag es und wie sehen Sie die Chancen heute?

Direkt zu Beginn gab es einen Investor, der gebaut hätte. Dies wurde politisch abgeblockt. Weitere Interessenten waren vor etwa zwei Jahren im Gespräch. Trotz bereits erfolgtem Wettbewerb bestand man auf einen erneuten Gestaltungswettbewerb. Der Interessent sprang leider ab. 

Die Türme sind als Stahlbau konzipiert. Sie fassen den Platz gegenüber dem Clevischen Ring und rahmen das Bild zur Mülheimer Brücke hin. Es entstehen wichtige Blickachsen und Bezüge. Die Fundamente sind fertig! Auch ist der Sockelbau des Südturms mit Gas-, Wasser-, und Stromleitungen komplett erschlossen. Der zweite Turm würde darüber laufen können. Es könnte also losgehen! Eine Beinträchtigung während der Bauarbeiten wäre zwar da, aber durch die schnelle und „saubere“ Bauweise gering.

 

Wie sieht die rechtliche Situation für eine Gestaltung des Platzes aus?

Mein Büro hat das Urheberrecht. Das bedeutet, dass weitere Planungen und Veränderungen mit mir abgesprochen werden müssen. Es bedeutet nicht, dass die Planungen durch mein Büro erfolgen müssen. 

 

Ihr Resümée?

Durch Büros und kulturelle Nutzungen würde der Platz belebt werden und es erfolgte allein dadurch eine soziale Kontrolle, die der Platz braucht. Es ist wichtig, dass dort überhaupt etwas entsteht und die Sockelbauten, die keiner versteht, endlich einen Aufsatz bekommen. Der Platz ist in dem unvollendenten Zustand jetzt eigentlich zu weitläufig.

 

Vielen Dank für das Gespräch!


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