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Die Stadt wächst im Mülheimer Süden – Interview 1

Fragen an Norbert Fuchs,

Bezirksbürgermeister Köln-Mülheim

Norbert Fuchs auf der Katzenbuckelbrücke im Mülheimer Hafen. Foto: Eva Rusch
Norbert Fuchs auf der Katzenbuckelbrücke im Mülheimer Hafen. Foto: Eva Rusch

von Eva Rusch

Fotos: Eva Rusch und Benja Weller

 

Wie schätzen Sie den Stellenwert des Mülheimer Südens für die Entwicklung des Bezirks Mülheim ein und was ist Ihnen wichtig?

Mit der Erschließung des Mülheimer Südens entsteht auf einer bislang industriell genutzten Fläche ein komplett neuer Stadtteil Mülheims. In dem gesamten Gebiet werden knapp 3.000 neue Wohnungen für etwa 10.000 Menschen entstehen. Das ist ein enormes Wachstum. Die Lage ist mit Rheinnähe und Nähe zum Stadtzentrum sehr attraktiv. Die industriehistorischen Bauten haben ein besonderes Flair. Das muss erhalten bleiben.

 

Mir ist es ganz wichtig, dass die Anbindung an Alt-Mülheim gelingt. Mit dem Mülheimer Rheinboulevard und den Leitentwürfen aus dem städtischen Werkstattverfahren haben wir gute Voraussetzungen. Die vorgesehenen sogenannten „grünen Finger“, also die Grünanlagen, senkrecht zum Rhein angeordnet, machen das gesamte Gebiet durchlässig und verbinden den Mülheimer Stadtgarten mit dem Mülheimer Süden. Diese geplanten Grünzüge sollen auch realisert werden. Darauf werde ich bestehen.

 

Ist das Mobilitätskonzept für den Mülheimer Süden auf einem guten Weg?

Die verkehrliche Erschließung und Anbindung der neuen Quartiere ist meiner Ansicht nach nur durch eine konsequente Stärkung des ÖPNV, also Bus und Stadtbahn von Deutz bis Leverkusen, durch zahlreiche Fahrradwege, sowie durch neue Konzepte möglich. Neue Konzepte, damit meine ich Mobilitäts-Hubs, an denen man sich Elektroautos, Fahrräder und auch Lastenräder ausleihen kann. Das Motto der „autogerechten Stadt“ ist längst nicht mehr gültig. Wir brauchen kleinteilige Lösungen und Angebote, die den Autogebrauch immer unnötiger machen. Wichtig ist, dass vieles fußläufig zu erreichen ist, und dass Arbeiten und Wohnen nahe beieinander liegen. Eine gute Nahversorgung mit Bäcker und Lebensmittelgeschäft ist dabei auch wichtig.

 

Von Seiten der Investoren liegt eine Planung vor, die solche modernen Quartiers- und Mobiltätskonzepte berücksichtigen. Das ist einmalig und geradezu vorbildhaft. Im Moment sind wir auch in Absprachen mit der Stadt. Wir hoffen auf rasche Prozesse. Als erste Maßnahme gibt es seit dem 10. Dezember 2017 eine Haltestelle „Auenweg“ direkt vor der Lindgens Kantine. Dort hält jetzt die Linie 150 und die 260. Immerhin ein Anfang. Bevor die neue Stadtbahn in etwa 10 Jahren kommen kann, erscheint es mir sinnvoll, eine weitere Buslinie einzurichten, die auf der späteren Stadtbahn-Strecke fährt.

Sind Sie zufrieden mit dem Fortschritt der Planungs- und Bautätigkeiten?

Die Planungen zum Lindgens Areal und zum Cologneo I sind gut fortgeschritten. Der Kindergarten in der ehemaligen Villa Charlier ist schon sehr weit. Große Erdarbeiten auf der Brache vor dem Eckigen Rundbau sind zu beobachten. Das Lindgens Areal wird schon seit einigen Jahren sehr eindrucksvoll im Bestand saniert. Jetzt kommen Neubauten hauptsächlich für Wohnen dazu, die die alte Bausubstanz ergänzen werden. Ich bin gespannt, es in real zu sehen. Die Pläne sind sehr beeindruckend. Baubeginn ist leider erst 2019. Insgesamt, muss ich sagen, sollten die Baugenehmigungen von Seiten der Stadtverwaltung zügiger erteilt werden. Die Planungen für das Otto-Langen-Quartier haben durch die Petition des Vereins „Rheinische Industriekultur e. V.“ und einiger weiterer Mitstreiter eine interessante Wendung genommen. Hier wird nach anfänglicher Planung mehr auf den Erhalt der historischen Hallen Rücksicht genommen werden. Das begrüße ich.

 

Die Planung zu den Deutz Quartieren ist in der Öffentlichkeit noch am wenigsten bekannt. Ich gehe davon aus, dass hier viel abgerissen werden wird. Allerdings gibt es dort auch einige wichtige historische Hallen nämlich das Gebäude, auf dessen runder Giebelfront „Klöckner-Humboldt-Deutz“ steht. Ich wünsche mir, dass die Investoren kreative Nutzungen etablieren können, die für alle Mülheimer nutzbar sein werden, wie zum Beispiel ein Museum oder neue Gastronomie, vielleicht eine Markthalle. Aber auch eine Gesamtschule wird auf dem Deutz Gelände integriert werden müssen. Denkbar wäre das Modell der sogenannten „ÖPP“, öffentlich-privaten Partnerschaft: ein privater Investor baut, die Stadt nutzt das Gebäude.

 

Das Cologneo II, direkt am Rhein und neben der Zoobrücke gelegen, wird großteilig für Wohnungen genutzt werden. Die brauchen wir natürlich dringend für Köln. Ich hoffe hier auf zügige Ergebnisse seitens der Stadtverwaltung und der Investoren. Außerdem brauchen wir für das gesamte Gebiet zwei neue Grundschulen. Eine Schule wird wohl auf das „Cologneo II“, eventuell auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerkes, kommen, die zweite Grundschule voraussichtlich an der Ferdinandstraße. 


Blick auf das Cologneo I: Bögen unter der EC-Trasse, im Hintergrund der Eckige Rundbau und die Schwebebahnhalle. Foto: Benja Weller
Blick auf das Cologneo I: Bögen unter der EC-Trasse, im Hintergrund der Eckige Rundbau und die Schwebebahnhalle. Foto: Benja Weller

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